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Insights 02.04.2025

War­um die Fern­wär­me kein All­heil­mit­tel für die Wär­me­wen­de ist

Marc Pion

Die Fernwärme nimmt im Kontext der Wärmewende eine wichtige, aber nicht problemfreie Rolle ein. Sie liegt in ihrer Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit zwischen Wärmepumpen und Gasheizungen, hat aber spezifische Herausforderungen.  

 

Etwa 15 Prozent der Haushalte in Deutschland sowie zahlreiche Industriebetriebe sind an das Fernwärmenetz angeschlossen. Neben der Wärmepumpe soll Fernwärme eine zentrale Rolle bei klimafreundlicher Wärme spielen. Die überwiegend kommunalen Netzbetreiber müssen gemäß Gesetz in den nächsten Jahren Pläne vorlegen, wie sie Öl, Kohle und Gas durch klimaneutrale Energien ersetzen wollen. Fernwärme wird meist in Kraftwärme-Kopplungsanlagen erzeugt, bei denen die Abwärme aus der Stromproduktion zur Beheizung von Wohngebieten genutzt wird.

 

Effizienz und Umweltbilanz

Fernwärme basiert auf zentraler Wärmeerzeugung, die Wärme über ein Netz an Gebäudeanschlüsse verteilt. Die Umweltbilanz hängt stark von der genutzten Energiequelle ab:  

 

  • Nachhaltige Fernwärme aus Großwärmepumpen, Geothermie oder industrieller Abwärme ist klimafreundlich und kann langfristig wirtschaftlich sein.  
  • Fernwärme aus fossilen Kraftwerken (Kohle, Gas, Müllverbrennung) bleibt problematisch, da die CO₂-Emissionen hoch sind.  

 

Während Wärmepumpen mit erneuerbarem Strom eine nahezu emissionsfreie Heizlösung bieten, kann Fernwärme nur dann nachhaltig sein, wenn sie nicht mehr aus fossilen Quellen gespeist wird. Dabei hat sie noch eine Wegstrecke vor sich. Im Jahr 2023 lag der Anteil Erneuerbarer Energien noch bei rund 20 Prozent. Bis 2030 soll die Hälfte der Wärme klimaneutral erzeugt werden.

 

 

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Infrastruktur und Ausbau der Fernwärme

Die Netzinfrastruktur und die Anbindung an das Fernwärmenetz ist nicht für ganz Deutschland umsetzbar, denn das Fernwärmenetz ist in Deutschland nicht flächendeckend vorhanden. Insbesondere in ländlichen Gebieten oder in Regionen mit geringer Bevölkerungsdichte ist die Infrastruktur für Fernwärme oft nicht ausreichend entwickelt oder wirtschaftlich nicht rentabel zu realisieren.

Der Bau eines Fernwärmenetzes erfordert erhebliche Investitionen in die Infrastruktur, einschließlich der Verlegung von Leitungen über lange Strecken und möglicherweise den Bau von Wärmezentralen zur Erzeugung und Verteilung der Wärme. Zudem ist der Bau technisch anspruchsvoll, insbesondere in städtischen Gebieten mit dicht bebauten Straßen und unterirdischen Infrastrukturen wie Gas-, Wasser- und Stromleitungen. Dies kann zu höheren Baukosten, längeren Bauzeiten und entsprechenden Akzeptanzproblemen in der Nachbarschaft führen.

Auch die Planung und Genehmigung von Fernwärmenetzen kann zeitaufwendig und kostenintensiv sein, da verschiedene behördliche Genehmigungen eingeholt werden müssen und umfangreiche Planungsarbeiten erforderlich sind, um die Netzstruktur und die Routen der Leitungen festzulegen.

Und zu guter Letzt spielt auch die Geografie und Topografie Deutschlands eine große Rolle bei der Verfügbarkeit und Umsetzbarkeit von Fernwärmenetzen. In Gebieten mit schwierigem Gelände oder geografischen Hindernissen wie Bergen oder Flüssen kann der Bau von Fernwärmeleitungen technisch anspruchsvoll und kostspielig sein.

 

 

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Neue Tech­no­lo­gi­en sind der Schlüs­sel zur Wär­me­wen­de. Un­ser Un­ter­neh­men zeigt, wie in­no­va­ti­ve An­sät­ze ef­fek­tiv ein­ge­setzt wer­den kön­nen, um Be­stands­ge­bäu­de nach­hal­tig und kli­ma­freund­lich zu ge­stal­ten.

Sascha Müller, Vorstandsvorsitzender PAUL Tech AG

Wirtschaftlichkeit der Fernwärme

Soweit verfügbar, kann die Fernwärme für Haushalte eine Alternative zur Wärmepumpe darstellen. Allerdings sind Kunden in der Regel einem Monopol ausgesetzt und können den Anbieter praktisch nicht wechseln. In diesem Zusammenhang untersucht das Bundeskartellamt seit 2023 möglicherweise rechtswidrige Preissteigerungen durch einige Fernwärmeanbieter. Verbraucherschützer bemängeln zudem die Intransparenz der Preise, die je nach Gemeinde stark variieren können. Auch die hohen Energiepreise der Jahre 2022 und 2023 schlagen nun teilweise bei den Kunden durch. Der Preis für Fernwärme setzt sich aus zwei Hauptkomponenten zusammen, einem Grund- und einem Arbeitspreis. Der Grundpreis deckt alle Kosten ab, die unabhängig vom tatsächlichen Verbrauch entstehen. Dies beinhaltet Aufwendungen für die Erzeugung und den Transport der Fernwärme sowie die Personalkosten für den Betrieb und die Wartung der Netzinfrastruktur.

Im privaten Bereich belaufen sich die Kosten für Fernwärme über 20 Jahre laut aktuellen Berechnungen auf über 50.000 Euro, während eine Wärmepumpe mit Photovoltaik deutlich günstiger sein kann (ca. 37.550 Euro).  Die Wirtschaftlichkeit einer Fernwärmeanbindung hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich der Investitionskosten für den Bau der Leitungen und der Verfügbarkeit von Wärmequellen. In einigen Gebieten können die hohen Investitionskosten und der geringe Bedarf an Fernwärme eine rentable Umsetzung unwahrscheinlich machen. Weitere Aspekte sind:

 

  • Fernwärme-Tarife sind oft gebunden und steigen mit den Energiepreisen.
  • Wärmepumpen profitieren von selbst erzeugtem Strom (z. B. PV) und haben niedrige Betriebskosten.
  • Netzentgelte für Fernwärme können steigen, da Infrastrukturmaßnahmen teuer sind.

 

 

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Technische Einsetzbarkeit für große Mehrfamilienhäuser

Fernwärme kann besonders in dicht besiedelten Gebieten mit bestehender Infrastruktur sinnvoll sein. Doch: 

  • Der Ausbau von Fernwärmenetzen ist teuer und dauert lange.  
  • Nicht jedes Gebäude kann effizient an Fernwärme angeschlossen werden – Wärmepumpen bieten hier eine flexible Lösung.  
  • Wärmepumpen ermöglichen dezentrale Energieversorgung, unabhängig von externen Netzen und Preisentwicklungen.  

In Regionen, in denen bereits effiziente Heizsysteme verbreitet sind, kann die Umstellung auf Fernwärme aus wirtschaftlicher Sicht weniger attraktiv sein, insbesondere wenn die bestehenden Systeme noch nicht am Ende ihrer Lebensdauer angelangt sind.

 

 

Wo steht die Fernwärme im direkten Vergleich?

Der Vorteil: In gut ausgebauten Netzen mit nachhaltigen Energiequellen ist Fernwärme eine sinnvolle Option.  

Der Nachteil: Hohe Netzkosten, lange Umstellungszeiträume auf erneuerbare Energien und steigende Preisrisiken.  

Fazit: Generell spielt Fernwärme in der kommunalen Wärmeplanung mit einem Netz von über 30.000 Kilometern eine wichtige Rolle im deutschen Energiesystem. In vielen Städten wird Fernwärme aktuell auf erneuerbare Quellen umgestellt, doch dieser Prozess ist kostenintensiv, wird nicht überall kurzfristig realisierbar sein und steht selbst noch vor der Herausforderung des Umstiegs. Richtig teuer würde ein weiterer Um- und Ausbau der Infrastruktur: Bis 2030 müssten insgesamt 43,5 Milliarden Euro dafür investiert werden, schätzte Prognos 2024 in einem Gutachten. Wesentlich günstiger kommt hingegen der Einsatz dezentraler Lösungen wie beispielsweise Wärmepumpen. Wärmepumpen bieten gegenüber Fernwärme den Vorteil der Eigenversorgung, niedrigerer langfristiger Kosten und höherer Effizienz. In Städten mit erneuerbarer Fernwärme kann sie jedoch eine gute Alternative sein – solange der Energie-Mix klimaneutral wird. Insgesamt sind die Anbindung an das Fernwärmenetz und der Ausbau dieses Netzes mit erheblichen Kosten und Herausforderungen verbunden, was dazu führt, dass es nicht für ganz Deutschland umsetzbar ist und teuer sein kann.

 

 

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